Bock auf Zukunft

Bock auf Zukunft

Foto (c) Römerland Carnuntum:
Gabi Preisinger, Hans Rupp, Robert Rogner, Rosemarie Rupp, Philipp Riederle

Philipp Riederle, 25 (!), ist gefragter Berater von mehr als 400 Unternehmen im Bereich der digitalen Transformation. Er hielt Ende Jänner 2020 auf Einladung der Regionalentwicklung Römerland Carnuntum gleich 2 Vorträge:

Im Bundesgymnasium und in der Bundeshandelsakademie hörten ihm 160 Schülerinnen und Schüler, Professorinnen und Professoren sowie Eltern gespannt zu – es war so ruhig, als wäre die Aula leer gewesen. „Derartige außergewöhnliche Veranstaltungen möchten wir gerne regelmäßig in unseren Schulen anbieten“, so Direktorin Mag. Sabine Puchinger.

„Wir leben heute in einer digitalen Welt“, so Riederle. „Unsere Eltern- und Großeltern sind die letzten, die analog aufgewachsen sind. Was für die neu ist, ist für uns von Beginn an selbstverständlich: Wir kontaktieren jeden Menschen auf der ganzen Welt, wann immer wir wollen. Wir holen uns für alles was uns interessiert Information – auch wann immer wir wollen und oft ist das: Jetzt, sofort! Und wir können unsere Botschaften global verbreiten – bisweilen erreichen einzelne Jugendliche mehr Menschen als multinationale Konzerne…

Mit seinem ersten iPhone, das er mit 13 aus den USA importierte, machte er genau diese Erfahrungen. Von seinem ersten Podcast bis zum international gefragten Referenten und Berater vergingen kaum 12 Jahre. Mit 17 war Philipp Riederle Unternehmer.

Am Abend referierte er vor Bauern, Unternehmern und weiteren Interessierten der letzten analogen Generation. „Mir tat der Abend heute sehr gut: Ich verstehe jetzt meinen Sohn besser“, so eine Teilnehmerin. Schwerpunkt des Abends war: Wie ticken wir – und was heißt das für die Arbeitswelt. „Diese verändert sich gerade in einem Ausmaß, das von vielen Führungskräften noch überhaupt nicht gesehen wird“.

„Wir wollen genauso Sicherheit wie die Alten – aber wir verstehen etwas anderes darunter. War es früher eine dauerhafte Stelle, galten Geld, Prestige und Macht viel, so sind das heute vor allem Sinn, Selbstverwirklichung und ein passendes Arbeitsumfeld. „Die Unternehmenskultur wandelt sich – die Frage ist, ob sich die Unternehmerinnen und Unternehmer ebenso rasch wandeln…“

Vortrag „Mythos Generation Y“
Vortrag „Kunden gewinnen und halten“

Erfolg 21

Genau dazu referierte der zweite Referent des Abends, Robert Rogner. Seine Erfahrung als langjähriger erfolgreicher Manager und Unternehmer: „Es ist die Beziehungsqualität, die die Qualität des Unternehmens – und damit den langfristigen Erfolg – ausmacht“. – Und weiter: „Es beginnt mit der Beziehung zu mir selber. Aus meinem innersten Kern heraus kann ich gut mit den Veränderungen unserer Zeit umgehen. Nur wenn ich in der Veränderung ich SELBST bleibe, ist das gesund für mich und mein Unternehmen“.

Dieses Thema ist vor allem in einer Phase der Übergabe und Übernahme entscheidend. Daher bietet die Regionalentwicklung Römerland Carnuntum im Rahmen des Projekts „Marc Aurel 21“ ab März 2020 eine 3-teilige Workshop-Reihe mit Robert Rogner an: Auskünfte und Anmeldungen bei Projektleiterin Rosemarie Rupp, r.rupp@roemerland-carnuntum.at. „Aber schnell, denn wir haben nur mehr 2 Plätze frei“.

Gespräch mit Robert Rogner „MenschMensch“

Die wichtigsten Botschaften der beiden Referenten an Junge und Erwachsene, in Bezug auf die Herausforderungen unserer Zeit des Wandels:

  • Seid offen! Und neugierig!
  • Lasst euch ein, „macht“!
  • Baut Barrieren ab (auch im Kopf)!
  • Und vor allem: Habt keine Angst!

Hans Rupp, 28.1.2020

Fotos der Veranstaltung
Seminarreihe „Das Rad dreht sich weiter“

Nähere Infos zur Seminarreihe „Das Rad dreht sich weiter“: Rosemarie Rupp, E-Mail: r.rupp@roemerland-carnuntum.at, Tel.: 0664 / 96 377 84
Regionalentwicklungsverein Römerland Carnuntum, Fischamenderstraße 12, 2460 Bruck an der Leitha

„Greta Thunberg? Wie lächerlich“

„Greta Thunberg? Wie lächerlich“

Deutschlands bekanntester Umweltchemiker Michael Braungart über den Weltuntergang, kompostierbare Sportschuhe und Robert Habecks Umhängetasche

 

Umweltchemiker Michael Braungart

Foto EPEA: Würde sich über den Chemienobelpreis freuen: Vordenker Michael Braungart

 Er schwamm in der Nordsee, um Dünnsäurefrachter zu stoppen, kletterte auf Schornsteine, um auf Umweltsünden von Chemiekonzernen aufmerksam zu machen und gründete die Grünen mit: Michael Braungart begann als Greenpeace-Aktivist, heute arbeitet der 61-Jährige aus einem Büro in Hamburg heraus an nichts weniger als einer Revolution, die Umwelt und Menschheit retten sollen. Markus Lorenz sprach mit dem Vordenker und Überzeugungstäter.

Herr Braungart, wollen Sie die Welt retten? Ach nein, die Welt muss nicht gerettet werden.

Nanu? Man könnte den Eindruck haben, Sie tun alles dafür. . . ?

Die Leute machen die Katastrophe einfach nur größer, damit sie selber wichtiger erscheinen. Es geht weder ums Überleben des Planeten noch der Menschheit.

Gar keine Angst vor den Folgen von Klimawandel und Umweltzerstörung? Es stimmt schon, dass wir alles verlieren werden, was uns bei Tieren und Pflanzen besonders liebenswürdig erscheint. Koalabären, Gorillas, Zebras, Giraffen, Wale, Delfine – alles wird aussterben. Aber viele Säugetiere werden erhalten bleiben, ebenso die Kakerlaken etc. Wir verlieren aber durch Verteilungskämpfe das, was wir in 10 000 Jahren Zivilisation an Würde geschaffen haben. Schlimm genug.

Also: Müssen wir dringend handeln?

Ja. Oder besser: Wir wollen handeln. Der Kampf gegen Umweltzerstörung ist nämlich kein Moralthema. Donald Trump ist für mich mit seinem Ausstieg aus dem Klimaabkommen der viel ehrlichere Lügner. Wir verschaffen den Leuten zurzeit den Eindruck, als täten wir etwas. In Wahrheit stehen unsere Maßnahmen in keinem Verhältnis zu dem, was getan werden müsste.

Die Deutschen halten sich für vorbildliche Umweltschützer. Sie nicht? Wir denken, es reicht, wenn wir ein bisschen weniger zerstören: weniger Auto fahren, weniger Müll, weniger Wasserverbrauch. Damit schützen wir aber nichts, wir machen nur weniger kaputt. Es ist so, als wenn wir sagen: „Ich schlage mein Kind nur noch fünfmal statt zehnmal.“ Wenn eine Plastikverpackung statt acht nur 7,6 Gramm wiegt, denken wir, das sei ein Fortschritt. Wir machen das Falsche perfekt, anstatt zu fragen: Was ist das Richtige?

Was ist das Richtige? Alles neu zu denken, zuerst das Denken selbst, dann die Produkte. Die Natur kennt keinen Abfall. Alles geht in den Kreislauf zurück.

Ihr Gegenkonzept lautet „Cradle to Cradle“, also „Von der Wiege zur Wiege“. Was ist gemeint? Alle Dinge, die verschleißen – also Reifen, Schuhsohlen, Bremsbeläge – müssen so gemacht sein, dass sie in biologische Systeme zurückgeführt werden können. Alles, was nur genutzt wird, wie Waschmaschinen und Fernseher, muss in technische Systeme zurück.

Das funktioniert? Ja. Dem liegt zugrunde, die Menschen nicht als Belastung für die Natur zu verstehen, sondern als Chance. Mit Cradle to Cradle schaffen wir solche Produkte. Zum Beispiel eine Eiscremeverpackung, die nur im gefrorenen Zustand eine Verpackung ist. Bei Raumtemperatur schmilzt sie und ist binnen zwei Stunden komplett abgebaut. Da wird das Wegschmeißen zum lustvollen Vorgang.

So lässt sich doch längst nicht alles herstellen? Doch. Es gibt weltweit schon mehr als 11 000 Cradle-to-Cradle-Produkte nahezu aller Art: kompostierbare Sportschuhe, Schlafanzüge aus Biobaumwolle mit unschädlichen Farbaufdrucken, unschädliche Reinigungsmittel, Bierdosen, die rückstandslos eingeschmolzen werden, Teebeutel, die sich im Meer schnell zersetzen, Kosmetiktücher, deren Abbau ich einstellen kann. In der Schweiz gibt es ein Unternehmen, das essbare Möbelstoffe produziert. Die Zuschnitte gehen als Torfersatz in Gärtnereien.

Aber wer isst Möbelstoffe? Ich. Im japanischen TV habe ich das schon oft getan. Ich schneide den Stoff vor der Kamera in Stücke, tue sie in ein Müsli und verspeise das.

Sind Sie ein Revolutionär? Jedenfalls braucht es eine neue industrielle Revolution. Ich bin Chemiker und Verfahrenstechniker und weiß, dass dafür eine solide Wissenschaft nötig ist. Ich will die Dinge ändern. Dafür arbeite ich mit großer, langer Geduld. Ich habe 24 Jahre an einem kompostierbaren Leder gearbeitet und 22 Jahre, um ein kompostierbares Papier hinzukriegen. Es klappt. Meine Bücher drucke ich auf Papier, das man essen kann, so unschädlich ist es.

Wie sieht die Produktwelt von morgen aus? Moderne Produkte sind alle Dienstleistungen.

Das bedeutet? Niemand braucht eine Waschmaschine, wir brauchen saubere Wäsche. Heutige Waschmaschinen enthalten 150 billige, giftige Kunststoffe, die mehr Benzol abgeben als ein Kind an einer Tankstelle aufnehmen würde. Verleiht der Hersteller die Geräte aber für ein paar Jahre, hat er das größte Interesse daran, dass sie lange halten und wir das beste Material verwenden.

Das wäre ein anderes Wirtschaftssystem . . . ?

Mir geht es darum, die Marktwirtschaft ernst zu nehmen. Im Moment ist es so, dass die Konzerne die Gewinne privatisieren, die Kosten für Müllentsorgung, Umweltzerstörung und krankmachende Stoffe aber verallgemeinern.

Haben Wirtschaft und Verbraucher verstanden? Einige. Wir haben viel erreicht. Wenn wir in dem Tempo weitermachen, wird 2050 alles Cradle to Cradle sein.

Wie sind Sie Umweltchemiker geworden? Ich hatte eine sehr innige Beziehung zu meiner Chemielehrerin (lacht). Ich habe dann Chemie studiert und mich geärgert, wie primitiv die praktizierte Chemie war.

Und haben begonnen, gegen die Chemieindustrie zu protestieren? Nach der Sandoz-Katastrophe 1986 habe ich die Greenpeace-Aktion gegen die Rheinverschmutzung geleitet. Der Werkschutz hat uns verprügelt, davon habe ich heute noch Rückenschmerzen. Wir sind in der Nordsee geschwommen, um die Dünnsäurefrachter aufzuhalten. Letztlich erfolgreich.

Wie wurde die Industrie für Sie vom Gegner zum Partner? Der Wendepunkt kam Weihnachten 1986. Wir sind auf den vereisten Schornstein von Ciba-Geigy in Basel gestiegen. Der Werksleiter sagte: „Das ist zu gefährlich. Kommen sie runter, ich garantiere ihnen, dass sie morgen wieder hoch dürfen.“ Wir sind natürlich oben geblieben, aber das Spiel hatte sich geändert. Als ich später in Hamburg meine Firma EPEA gegründet habe, sind die Ciba-Manager gekommen und wollten mit mir zusammenarbeiten. Ich war einverstanden, weil ich mit der Industrie rausfinden wollte, wie ein anderes Verhältnis von Menschen zur Natur aussehen kann. Daraus ist Cradle to Cradle entstanden. Finanziert von der Schweizerischen Chemie.

Warum in Hamburg? Weil die Stadt die besten Voraussetzungen dafür hat. Hier war es immer so, dass die Menschen aus eigenem Antrieb gehandelt habe und nicht nur das getan haben, was die Könige verlangt haben.

Sie müssen begeistert sein von Fridays for Future? Es ist gut, dass die jungen Leute etwas tun, aber das ist mir zu viel Panikmache. Wenn sich 1945 ein Kind auf den Rathausmarkt gestellt und geklagt hätte: „Was hinterlasst Ihr uns für eine Welt?“, dann hätte ich das verstanden. Aber heute . . .

Greta Thunberg ist die Heldin der Klimaschutzbewegung, was spricht dagegen? Sie kann nur Schwarz-Weiß sehen. Ich habe bei Greenpeace mein Leben eingesetzt, um Gift aufzuhalten. Ich habe Dreck eingeatmet ohne Ende, radioaktive Stäube. Und dann sitzt da jemand vor dem Parlament, geht nicht zur Schule, wird als große Widerstandskämpferin gefeiert und für den Nobelpreis vorgeschlagen. Wie lächerlich. Ich gebe zu, das provoziert mich.

Die Grünen sind dank Klimadebatte im Höhenflug und könnten das Rathaus erobern. Dann wäre der Gang durch die Institutionen der ehemaligen Umweltkämpfer auch in Hamburg vollendet. Wird Umweltpolitik dann besser?

Ach, die Grünen. Ich habe die Partei mal mit gegründet. Der Vater von Winfried Kretschmann war mein Grundschullehrer. Die Grünen sind eine wunderbare Wellness-Partei. Aber deren Politik hat mit der Realität nichts zu tun. 1994 habe ich für die Grünen PVC-Verbotsanträge geschrieben. Und heute treffe ich Robert Habeck mit einer Umhängetasche aus Lkw-Plane mit PVC in Berlin am Bahnhof. Es gibt viele Grüne, die sich bemühen, aber die haben schlicht keine Ahnung. Sie bleiben auf halber Strecke stehen und erreichen nichts.

Sie sind mit der ehemaligen Greenpeace-Chefin Monika Griefahn verheiratet. Wie müssen wir uns so eine Ehe vorstellen ? Alles nur öko? Nein. Mein Lebensmotto lautet: „Entschieden, aber nicht konsequent“ (lacht ). Fürs Essen gilt: Bei tierischen Fetten immer Bio kaufen. Dann hat man schon 70 Prozent der Belastung ausgeschlossen. Das gilt auch für Paprika und Rucola, da habe noch in jeder Probe Giftstoffe gefunden.

Quelle: Flensburger Tagblatt, 18.1.2020: http://zeitung.shz.de/flensburgertageblatt/2296/article/1069976/21/1/render/?token=fdd7d6d69abb8922c465672158b09155

VW und die Angst vor dem Nokia-Schicksal

Brandrede von VW-Konzernchef Herbert DIESS

VW und die Angst vor dem Nokia-Schicksal

Quelle: WELT, von Olaf Preuß  17.01.2020

https://www.welt.de/wirtschaft/article205109398/Volkswagen-Die-Angst-vor-dem-Nokia-Schicksal.html

Herbert Diess

 

Nach Ansicht von Konzernchef Herbert Diess muss Volkswagen beim Wandel zu einem software-getriebenen Autokonzern sehr viel schneller werden. Die Konkurrenz mit Tesla und anderen US-Technologieriesen nehme zu.

VW-Chef Diess geht der Umbau von VW zur Elektromobilität zu langsam. Er redet seiner Führungsmannschaft ins Gewissen – und erinnert dabei an den Niedergang einer finnischen Ikone. Klar ist auch, mit wem er sich in Zukunft messen will.

Vor Jahren schon nahm Volkswagen-Chef Herbert Diess den US-Hersteller Tesla zum Vorbild, als er die Transformation der Automobilwirtschaft beschrieb. „Tesla wird der relevanteste Wettbewerber für Volkswagen“, sagte er 2017, damals noch als VW-Markenvorstand.

Ein großes Lob für Tesla-Gründer Elon Musk folgte im November 2019 bei der Verleihung des „Goldenen Lenkrades“ in Berlin – da hatte Musk gerade die Gründung eines neuen Tesla-Werkes in Grünheide nahe der deutschen Hauptstadt bekannt gegeben. „Ich bin froh, dass Elon uns antreibt“, sagte Diess auf offener Bühne. Tesla sei wichtig, um der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen.

Auch am Donnerstag nutzte Diess Tesla als Referenzgröße, als er vor Führungskräften seines Konzerns die tiefe Disruption der Wirtschaft im Allgemeinen und der Automobilbranche im Besonderen beschrieb.

Volkswagen steht mitten im Sturm der beiden größten Transformationsprozesse“, sagte er.  Das sind der Klimawandel und der damit verbundene Innovationsdruck zum emissionsfreien Fahren. Und die Digitalisierung, die das Produkt Automobil grundlegend verändert.“

„Der Sturm geht jetzt erst los.“

Der Golf wird der erste Pfeiler sein, der Volkswagen wegbricht

Die Neuerfindung des Produktes Automobil verändert nicht nur dessen Produktionsprozesse, sondern dessen gesamte technologische und logistische Einbettung. „Wir werden wie ein Automobilunternehmen bewertet, Tesla wie ein Tech-Unternehmen“, sagte Diess. „Das Automobil wird in Zukunft das komplexeste, wertvollste, massentaugliche Internet-Device.“

Das vernetzte Auto werde die Internetzeit seiner Nutzer nahezu verdoppeln. Wenn man das sehe, verstehe man auch, warum Tesla aus Sicht der Analysten so wertvoll sei: „Wir als Volkswagen wollen auch genau dorthin. Die große Frage lautet: Sind wir schnell genug“, sagte Diess. „Die ehrliche Antwort lautet: Vielleicht, aber es wird immer kritischer. Wenn wir in unserem jetzigen Tempo weitermachen, wird es sogar sehr eng.“

Man kann viele Beispiele aus unterschiedlichen Branchen wählen, um die Radikalität der digitalen Disruption zu beschreiben. Diess nannte vor seinen Führungskräften das Beispiel des langjährigen Weltmarktführers Nokia. Die Finnen hatten zwar die robustesten Mobiltelefone mit den besten Akkus, aber keine rechte Vorstellung davon, was man aus einem Mobiltelefon noch alles machen kann. Das zeigte dann 2007 Apple-Chef Steve Jobs mit der Einführung des ersten iPhones – eines Computers in Handyform. Nokia landete vor seinem Untergang gerade noch rechtzeitig unter dem Dach des Softwarekonzerns Microsoft.

Wie viele Arbeitsplätze das kostet, ist heute völlig offen

Das sei „exakt die Situation, die sich in der Automobilindustrie wiederholt“, mahnte Diess. „Das Auto ist nicht länger nur Transportmittel. Und das bedeutet auch: Die Zeit klassischer Automobilhersteller ist vorbei.“ Die Zukunft von Volkswagen liege im digitalen Tech-Konzern – und nur da: „Wir werden ein zusätzliches Aufholprogramm brauchen, um alles Potenzial im Konzern dafür zu mobilisieren.“

Wie viele Arbeitsplätze das im weitverzweigten Volkswagen-Reich mit seinem Dutzend Marken kostet und wie viele neue Arbeit es bringt, ist heute völlig offen. „Volkswagen ist für diesen Wettbewerb gut aufgestellt, Herbert Diess agiert dynamisch“, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen, WELT.

Er glaubt, dass sich Volkswagen mit seinen Marken so stark wie möglich „auf die Fahrzeuge und auf deren digitale Vernetzung“ konzentrieren sollte, „das ist das Wesentliche“.

Die Angst geht um in Autodeutschland

Nicht nur bei den Qualifikationen der Mitarbeiter werde es tiefgreifende Veränderungen geben, sagte Dudenhöffer, sondern auch beim Zuschnitt der Entwicklungsabteilungen und der Produktion: „Man wird in Zukunft wesentlich weniger Maschinenbau- und Automobilingenieure brauchen, dafür aber sehr viele Elektroingenieure und IT-Experten.“ In beiden Fachdisziplinen konkurrierten die Automobilhersteller künftig nicht mehr nur untereinander, sondern zunehmend auch mit anderen Technologieunternehmen, sei es in der IT-Branche selbst, sei es bei den erneuerbaren Energien. Diess sieht die Wirtschaft und die Industrie in einer „Zeitenwende von der Dimension der industriellen Revolution“.

Eine der Kernaufgaben für den Konzern sei der Einstieg in die Elektromobilität auch mit dem ersten reinen Elektromodell von VW, dem ID.3: „Der ID.3 muss auf die Straße. Dazu müssen wir die Herausforderungen im Anlauf bewältigen“, sagte Diess seiner Führungsmannschaft.

Daneben müsse Volkswagen für die Einhaltung der Abgasgrenzwerte auch Seat Mii, VW Up!, e-Golf, e-tron und Taycan mit Batterien versorgen, bauen und zum Kunden bringen:

„In der Summe ist das vielleicht die schwierigste Aufgabe, die Volkswagen je vor der Brust hatte.“

Risikoberichte zeichnen düsteres Bild

Risikoberichte zeichnen düsteres BildFeuerwehrmann beim Löschen von Waldbränden

Gleich drei dieser Tage erschienene Studien setzen sich mit den größten Herausforderungen und Gefahren der Zukunft auseinander – und davon gibt es genug. „Die politische Landschaft ist zerklüftet, die Meeresspiegel steigen, und klimabedingte Feuer brennen“, fasste es das Weltwirtschaftsforum (WEF) zusammen.

„Die Welt kann nicht darauf warten, dass sich der Nebel der geopolitischen und weltwirtschaftlichen Unsicherheit lüftet“, hielt WEF-Präsident Borge Brende in dem am Mittwoch vorgestellten Weltrisikobericht der Organisation fest. Das WEF erwartet „ein Jahr des wirtschaftlichen Rückgangs und zunehmender interstaatlicher wie internationaler Spannungen“ – dabei sei gerade Kooperation zur Bewältigung der Gefahren unabdingbar.

Erstmals in seiner Geschichte führt der Bericht fünf Risiken mit Klimabezug als die größten im kommenden Jahrzehnt an. Auf dem ersten Rang stehen – wie schon in den Vorjahren – extreme Wetterereignisse mit vielen Todesopfern sowie großen Schäden an der Infrastruktur. Danach folgen: Scheitern von Politik und Wirtschaft beim Klimaschutz; Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche und Erdbeben; menschengemachte Umweltschäden und -katastrophen wie Ölunfälle und nukleare Störfälle; schwerwiegender Verlust der Artenvielfalt mit unumkehrbaren Konsequenzen für das Ökosystem.

„Der Klimawandel trifft uns härter und schneller, als viele es erwartet haben“, schreiben die WEF-Experten in ihrem Bericht. Doch er ist nicht deren einzige Besorgnis: Durch globale Handelskonflikte, hohe Schulden und ein vergleichsweise schwaches Wirtschaftswachstum drohe ein „synchronisierter Abschwung“.

Unruhen mehren sich

Verschärft werde die Lage noch dadurch, dass Politik und Notenbanken zu wenig „Munition“ hätten, um eine potenzielle Rezession zu bekämpfen. „Inmitten der düster werdenden wirtschaftlichen Aussichten hat sich die Unzufriedenheit vieler Bürger verhärtet“, heißt es in dem Report – was sich in Protesten und zivilen Unruhen in mehr und mehr Ländern äußert.

Niederschmetternd nimmt sich auch die Studie „Climate Risk and Response“ der Unternehmensberatung McKinsey aus, über die der „Spiegel“ am Donnerstag berichtete. Geschehe nichts, heißt es darin, könne der Klimawandel „Hunderte Millionen Menschenleben, Billionen von Dollar an Wirtschaftskraft sowie das physische und das natürliche Kapital der Welt gefährden“.

Das McKinsey Global Institute hat die sozioökonomischen Folgen des Klimawandels für 105 Staaten in den kommenden 30 Jahren analysiert. Die Auswertungen basierten auf dem Szenario, dass die Emissionen weltweit weiter steigen, sagte McKinsey-Partner Hauke Engel, Koautor der Studie. Demnach würden bereits in zehn Jahren 250 bis 360 Millionen Menschen in Regionen leben, in denen tödliche Hitzewellen drohten. Bis 2050 könnte die Zahl auf 700 Millionen bis 1,2 Milliarden wachsen.

Hitze allerorts spürbar

Weltweit schränkten Hitze und Luftfeuchtigkeit die Arbeitsleistung und das, was sich unter freiem Himmel erledigen lasse, ein, heißt es in der Studie. Betroffen seien vor allem Länder wie Indien, Pakistan, Bangladesch und Nigeria. Doch die Konsequenzen der Erderhitzung seien auch anderswo spürbar: Das Risiko von Ernteausfällen steige weltweit, die Erwärmung der Ozeane könnte den Fischfang bis 2050 um acht Prozent verringern und die Lebensgrundlage von bis zu 800 Millionen Bürgern weltweit beeinträchtigen.

Auch der Tourismus und die Lebensmittelproduktion am Mittelmeer drohten zu leiden, wenn 2050 die klimatischen Bedingungen in Marseille denen von Algier heute ähnelten – wovon Prognosen ausgehen. Und: Ein Viertel der 100 meistfrequentierten Flughäfen liege weniger als zehn Meter über dem Meeresspiegel und könnte laut Studie „ernsthaften Gefahren“ durch Flut und Sturm ausgesetzt sein.

„In einem Viertel aller Länder kam es im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Anstieg der Unruhen – ein Trend, der sich fortsetzen dürfte“: So wiederum eröffnet Verisk Maplecroft, ein führendes Unternehmen für Risikoanalysen und strategische Prognosen, seinen ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Bericht „Political Risk Outlook 2020“, wie der „Guardian“ schrieb. Auf allen Kontinenten seien dadurch Regierungen ins Wanken gekommen – so unterschiedliche Standorte wie Hongkong, Chile, Nigeria, Sudan, Haiti und Libanon seien betroffen.

Der Sudan, in dem der ab 1993 autoritär regierende Staatspräsident Omar al-Baschir im Frühjahr 2019 gestürzt wurde, überholte das Bürgerkriegsland Jemen und belegte im Index der zivilen Unruhen von Verisk Maplecroft den ersten Platz. Die Zahl der Länder, die als extrem risikoreich eingestuft werden, stieg um ein Drittel – von zwölf im Jahr 2019 auf 20 Anfang 2020. Hongkong und Chile wurden als die „riskantesten Orte“ der Welt in Bezug auf Härte und Häufigkeit der Proteste eingestuft.

„Neue Normalität“

Die Untersuchung basiert auf einer Reihe von Risikoindikatoren für Unternehmen, die etwa die Gefahr von Lieferstörungen, Schmälerung des Firmenvermögens und Risiken für Mitarbeiter durch gewaltsame Unruhen in Betracht ziehen. Viele Sektoren, von Bergbau über Energie, Tourismus, Einzelhandel bis hin zu Finanzdienstleistungen, hätten die Auswirkungen bereits im vergangenen Jahr zu spüren bekommen – die Schäden weltweit würden sich auf Milliarden von US-Dollar belaufen, heißt es in der Studie.

Das Resümee der Studien fällt ähnlich aus: Unruhen wie im Vorjahr werden zur „neuen Normalität“. Im WEF-Report heißt es: „Die geopolitischen Turbulenzen sind geprägt von der Unvorhersehbarkeit, wer die Führung übernimmt, wer Verbündete sind und wer am Ende zu den Gewinnern und Verlierern gehören wird.“ Verisk Maplecroft hält fest: „(…) Doch selbst wenn man sich sofort mit den Ursachen befasst, sind die meisten Missstände tief verwurzelt, und es würde Jahre brauchen, um sie zu beseitigen. Vor diesem Hintergrund ist es unwahrscheinlich, dass 2019 eine Ausnahme sein wird.“

Quelle: https://orf.at/stories/3151191/

Die Wiedervereinigung von Ökologie und Ökonomie

Die Wiedervereinigung von Ökologie und Ökonomie

Aufbau eines Windrades

Die für eine echte Transformation erforderlichen Maßnahmen ermöglichen Wachstum und gleichzeitig die Erreichung ambitionierter Klimaziele.

8.01.2020, Wiener Zeitung, Gastkommentar von Dr. Friedrich Hinterberger

Wenige Stunden nach der Präsentation des türkis-grünen Regierungsprogramms ging die alte Leier „Ökonomie gegen Ökologie“ schon wieder los. Warum schauen alle auf die potenziellen Widersprüche, die es zweifellos auch gibt, und niemand auf die Synergien?

In verschiedenen unter anderem von der EU und vom österreichischen Klimafonds geförderten Projekten haben wir in den vergangenen 20 Jahren immer wieder zeigen können, dass die für eine echte Transformation erforderlichen Maßnahmen jedenfalls Wachstum und gleichzeitig die Erreichung ambitionierter Klimaziele ermöglichen.

Die Berechnungen mit großen makroökonomischen Modellen zeigen einerseits, dass eine deutliche Beschleunigung und eine Ausweitung der Klimaschutzmaßnahmen notwendig sind, um die in Paris beschlossenen und erst kürzlich in Madrid bekräftigten Ziele zu erreichen. Die EU möchte hier ein Vorreiter werden und Österreich jetzt (wieder) ein Vorreiter in Europa. Die dafür notwendigen Investitionen belaufen sich für die EU zwischen 2020 und 2050 auf durchschnittlich mehr als 120 Milliarden Euro pro Jahr. Und die erforderliche Energiewende muss von einer ambitionierten Ressourcenwende begleitet werden, mit dem Ziel, Kreisläufe zu schließen, um primäre Ressourcen zu sparen. Zusätzlich ist ein Wandel der Ernährungsgewohnheiten für die Erreichung der Klimaziele unverzichtbar.

 

Der Wandel muss sich als Mainstream durchsetzen

Aus globaler Perspektive ist eine Reduktion des Fleischkonsums außerdem notwendig, um die Abholzung, den Land- und Wasserverbrauch und letztlich auch den Hunger langfristig zu vermeiden. Auch über das Thema Ernährung hinaus kann der notwendige Wandel nur gelingen, wenn nicht nur eine kleine Minderheit die heutigen Paradigmen des materiellen Konsums durch nachhaltige Konsum- und Lebensstile ersetzt, sondern sich dieser Wandel mehr und mehr als Mainstream durchsetzt. Eine deutliche budgetneutrale CO2-Bepreisung ist eines der zentralen Elemente in diesem Maßnahmenbündel. All das steht mehr oder weniger deutlich auch im aktuellen türkis-grünen Regierungsprogramm.

Und auch wenn sich sogleich die Bremser zu Wort melden: Sowohl die politischen Interventionen (wie etwa Steuererhöhungen) als auch die Verhaltensanpassungen müssen insbesondere in den Jahren bis 2030 bereits ein substanzielles Ausmaß erreicht haben. Jedes tatenlose Jahr wäre verhängnisvoll für die Möglichkeit, die Vorgaben der Pariser Klimaziele noch zu erfüllen, beziehungsweise würde ein späteres Eingreifen dann noch drastischere Maßnahmen erfordern, um die Ziele noch zu erreichen.

 

Bis zu 10 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich notwendig

Mit zahlenmäßigen Festlegungen spart das Regierungsprogramm – eine Nachverkehrsmilliarde hier, eine Million Dächer Photovoltaik dort werden erwähnt. Das kann man bemängeln, aber es ist wohl zu viel verlangt, ein ganzes Regierungsprogramm binnen zwei Monaten noch weiter zu konkretisieren. Unsere Studien legen nahe, dass jährlich zusätzliche Investitionen von bis zu 10 Milliarden Euro pro Jahr nötig sind, um die CO2-Emissionen bis 2050 auf 12 Millionen Tonnen zu reduzieren, was einer Klimaneutralität schon recht nahe käme, die ja laut Regierungsprogramm nun schon im Jahr 2040 erreicht werden soll.

Weitere Maßnahmen, wie etwa die Reduktion des Fleischkonsums oder auch eine allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit ohne vollen Lohnausgleich, wären also nötig, die letztlich auch zu einer besseren Gesundheit, weniger Konsum, etwas weniger Wachstum und damit auch weniger CO2-Emissionen führen würden, was laut Umfragen von vielen Menschen in Österreich durchaus gewünscht wäre, weil es mehr Freizeit bringt und damit Lebensqualität.

Die erforderliche Transformation ist eine Herkulesaufgabe. Sie wird aber, wenn sie auf einer kontinuierlichen Veränderung der wichtigsten Faktoren (Preise, Investitionen, Verhalten) über die nächsten 20 bis 30 Jahre basiert, das ohnehin als gering zu erwartende BIP-Wachstum nicht zusätzlich schwächen. Eine sozial-ökologische Steuerreform erhöht die (Ressourcen-)Produktivität ebenso wie die Wettbewerbsfähigkeit, und die erforderlichen Investitionen wirken über den dadurch ausgelösten Multiplikatoreffekt expansiv, erhöhen also das BIP.

 

Ob ein Nulldefizit eine gute Idee ist, muss sich weisen

Denn, so zeigen die Berechnungen, die umfangreichen Investitionen in die Umstrukturierung des Energiesystems, in die Verbesserung der Energie- und Ressourceneffizienz und in den Transport-sektor kurbeln die Wirtschaft an. Ob angesichts dieser Herausforderungen und gleichzeitigen Chancen bei ansonsten schon schwächelnder Wirtschaft ein Nulldefizit eine gute Idee ist, muss sich noch erweisen.

Die positive Wirtschaftsentwicklung wirkt sich auch vorteilhaft auf die Beschäftigung aus: Während die Zahl der Erwerbstätigen im verarbeitenden Gewerbe generell weniger stark wachsen würde als bei einem „Weiter wie bisher“, ist in den Dienstleistungsbereichen ein stärkerer Zuwachs zu erwarten. Einzelne Branchen des verarbeitenden Gewerbes wie der Maschinenbau und die Elektroindustrie profitieren von den höheren Investitionen wie auch das Bauwesen durch stärkere Sanierungsaktivitäten im Gebäudesektor. Während mehr Jobs im Bereich erneuerbarer Energie entstehen, geht deren Zahl in energieintensiven Branchen (etwa in der Kokerei und in der mineralölverarbeitenden Industrie) zurück. Dennoch ist, so zeigen unsere Berechnungen, der Gesamteffekt deutlich positiv.

Friedrich Hinterberger ist promovierter Volkswirt und seit 1985 Lehrbeauftragter an Universitäten im In- und Ausland. Unter anderem hat er am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie die Arbeitsgruppe Ökologische Ökonomie und Ökologische Wirtschaftspolitik geleitet und ist Gründungspräsident des Sustainable Europe Research Institute sowie Vizepräsident und Generalsekretär des Austrian Chapter des Club of Rome. –  www.seri.at

 

Abenteuerurlaub für Manager

Abenteuerurlaub für Manager

Robert Rogner jun. vernetzt Unternehmer mit Schuhhersteller Heini Staudinger, Sonnentor-Chef Johannes Gutmann oder Schokoladen-Ikone Josef Zotter. Für das Römerland Carnuntum kreierte er, gemeinsam mit Marc Aurel 21 Projektleiterin Rosemarie Rupp, ein ganz besonderes Seminar für Übergabe & Übernahme in Zeiten des Wandels: „Das Rad dreht sich weiter“.

Im Wirtschaftsmagazin TREND gab Robert Rogner bereits 2013 dieses Interview, das Einblick in seine Angebote und seine Denkweisen gibt:

„Viele Managerinnen und Manager und viele Unternehmerinnen und Unternehmer wissen nicht, welche Beziehung sie zu sich selbst und zu ihrem Umfeld haben, für was sie stehen, was sie wollen“, meint Robert Rogner. Die Folge: Sie können nicht richtig kommunizieren. „Und sie haben keine Zeit, darüber nachzudenken, was sie ändern könnten“, so die Beobachtung des 43-Jährigen. Um dies und die Wirtschaft als Ganzes zu ändern, will der Manager gute Beispiele greifbarer und erlebbar machen.

Mit seiner neu gegründeten Gesellschaft für Beziehungsethik, die nicht gewinnorientiert arbeitet, soll Unternehmern die Chance gegeben werden, andere Wege kennenzulernen, die nicht der Norm entsprechen. Etwa den von Schuhfabrikanten Heini Staudinger, der die Finanzierung seines Geschäfts anders organisiert – und dafür Wickel mit der Finanzmarktaufsicht hatte. Oder den von Johannes Gutmann, Chef von Sonnentor, der mit seinen Kräutern viele Preise gewann und Wirtschaften nachhaltig sieht. Oder auch den Ansatz vom erfolgreichen steirischen Schokoladen-König Josef Zotter, der jedem seiner Fehler einen Grabstein widmet und so einen Friedhof der gescheiterten Ideen hat. Auch das Kloster Gut Aich ist mit von der Partie.

Geheimnisse offenlegen

„Ich sehe mich als Vernetzer“, sagt Rogner, der erzählt, dass die Vortragenden der „Gesellschaft für Beziehungsethik“ ihre Betriebe öffnen, ihre Geschäftsgeheimnisse weitergeben und jede Frage ehrlich beantworten. Sie sollen demonstrieren, was sich hinter Schlagwörtern wie Nachhaltigkeit wirklich verbirgt und wie sich daraus alltagstaugliche Prozesse ableiten lassen. Um keine Massenware zu liefern, ist die Teilnehmerzahl auf maximal zwölf Personen begrenzt. Firmen, die mit mindestens sechs Mitarbeitern teilnehmen, können Termine auch individuell vereinbaren.

„Es ist eine Art Abenteuerurlaub für Unternehmer“, sagt Rogner. Wobei das Abenteuer darin bestehe, sich auf neue Denkmodelle einzulassen und neue Antworten zu suchen. „Ich glaube nicht, dass es fertige Lösungskonzepte gibt, jeder muss das ideale für sein Umfeld selbst entwickeln.“

Rogner möchte mit seiner Seminarreihe helfen, den Managern „mehr Fokus, mehr Kraft, mehr Energie“ zu geben. „Ich bin finanziell unabhängig und möchte etwas zurückgeben können“, sagt der Sohn des Kärntner Baulöwen Robert Rogner. Die Tätigkeit für die Therme Bad Blumau hat der Junior für dieses Projekt beendet, seine Managementfunktion in der Rogner Holding zurückgelegt.

 

Veröffentlicht auf trend.at am 28. 10. 2013 von Miriam Koch und Silvia Jelincic: https://www.trend.at/service/gesundheit/abenteuerurlaub-manager-368567?fbclid=IwAR3_EzHFfRkl5Vi23b-eVBS2OXOJLA_CMfieskeCqGymI67Q-87cIB6D5pA

Die ewigen Feinde des talentierten Schülers

Bildung: Die ewigen Feinde des talentierten Schülers

veröffentlicht in TREND Ausgabe 36/2019

Vorschläge, wie das zweitteuerste Schulsystem der EU endlich Kinder hervorbringt, die nicht chancenlos ins Leben geworfen werden.

Dr. Andreas Salcher, Bildungsexperte, Autor und Unternehmensberater, Bild © trend

Der größte Feind des talentierten Schülers sind all jene, die sich mit dem ungemein niedrigen Anspruch an unsere Schulen zufriedengeben, den sie in keinem anderen ihnen wichtigen Bereich akzeptieren würden. Stellen wir uns einen Autohersteller vor, von dem jedes fünfte neu ausgelieferte Auto einfach nicht fährt. Oder gar eine Fluglinie, bei der jedes fünfte Flugzeug abstürzt. Aber jedes fünfte Kind kann nach neun Jahren Schule nicht sinnerfassend lesen? „Kann man halt nichts machen“ oder „selber schuld“, meinen die Feinde des talentierten Schülers.

Die Fakten, die das Versagen unseres Schulsystems dokumentieren, sind seit über zehn Jahren fast unverändert geblieben, trotz aller teuren Maßnahmen wie der Senkung der Klassenschülerhöchstzahlen, der Einführung der Neuen Mittelschule mit verpflichtend zwei Lehrern in den Hauptgegenständen, der Schulautonomie, den Bildungsstandards, der Zentralmatura usw. Entgegen allen Behauptungen vom Kaputtsparen hat sich das österreichische Bildungsbudget in den letzten zehn Jahren immer nur nach oben entwickelt: von 6,73 Milliarden im Jahr 2008 auf 8,821 Milliarden Euro im Jahr 2018. Das sind mit über drei Prozent jährlichen Steigerungen deutlich mehr als jene des Bruttoinlandsprodukts. Wir leisten uns bei den Ausgaben pro Schüler das zweitteuerste Schulsystem innerhalb der EU, nur Luxemburg ist teurer.

Ein so teures Schulsystem, das seinen Schülern in neun Jahren Pflichtschule nicht Lesen, Schreiben und die Grundrechnungsarten vermitteln kann, hat sich selbst aufgegeben. Die Feinde des talentierten Schülers leben noch. Sie zerstören die Talente unserer Kinder und werfen viele von ihnen chancenlos ins Leben.

Dabei sind die Herausforderungen gewaltig. 63 Prozent der Volksschüler in Wien sprechen nicht mehr Deutsch als Umgangssprache, in den Mittelschulen liegt dieser Anteil bei 77 Prozent! Dabei handelt es sich zum Großteil um in Österreich geborene Kinder, die hier in den Kindergarten gegangen sind und trotzdem fast nicht Deutsch können.

Österreich ist eines der wenigen OECD-Länder, wo die Kinder der dritten Migrationsgeneration die Landessprache schlechter beherrschen als die der zweiten. Andererseits erbringen Schüler aus Osteuropa und Asien teilweise bessere Leistungen als österreichische Kinder. Es geht also nicht um Migranten-versus österreichische Kinder, sondern um das Auseinanderklaffen von gebildeten und bildungsfernen Eltern.

So schafft es Kanada zum Weltmeister der Chancengerechtigkeit.

Dass es auch anders geht, beweist Kanada, wie Österreich ein Einwanderungsland, wenngleich mit einer wesentlich klügeren Migrationspolitik und einem integrativen Schulsystem mit leistungsorientierten Ganztagsschulen. In Kanada sprechen viele Kinder von Einwanderern nach Abschluss ihrer Schulzeit besser Englisch als die in Kanada geborenen Schüler. Vom legendären Managementdenker Peter Drucker stammt das Zitat: „Wann immer Sie einen hervorragenden Menschen gegen ein schlechtes System antreten lassen, wird stets das schlechte System gewinnen.“

Absolut gleiche Chancen in einer offenen Gesellschaft halte ich für eine Illusion, weil Kinder aus funktionierenden, gebildeten Familien immer einen Startvorteil haben werden. Das erreichbare Ziel, das sich ein Schulsystem setzen kann, lautet Chancengerechtigkeit. Das bedeutet, dass soziale Startnachteile möglichst ausgeglichen und nicht noch verstärkt werden. Dafür würde es reichen, ein Prinzip in unserer Verfassung zu verankern: Jedes Kind hat ein Recht darauf, dass seine Talente in der Schule maximal gefördert werden.

Wie das geht? Maria Montessori und Helen Parkhurst haben das bereits vor über 100 Jahren vorgemacht, und heute gibt es viele Schulen, die das praktisch umsetzen:

Nicht zentrale Lehrpläne über Kinder stülpen, sondern individuelle Lehrpfade.

Dieses Ziel wäre mit den heutigen digitalen Möglichkeiten sogar noch leichter erreichbar.

Die Idee, Smartphones an Schulen generell zu verbieten, hat etwa die gleiche Erfolgswahrscheinlichkeit, wie ausgedrückte Zahnpasta wieder in die Tube zurückzubekommen. Vor allem wenn Kinder erleben, wie ihre Eltern und Lehrer selbst in jeder freien Minute auf ihr Handy schauen.

Statt uns in fundamentalistische Stellungskriege über die Frage zu verstricken, ob Smartphones in der Schule Teufelszeug oder pädagogische Allzweckwaffen sind, sollten wir uns fragen: Glauben wir wirklich, dass in zehn Jahren Lehrer noch immer mit dem Rücken zu ihren Schülern vor einer Tafel stehen werden, um mit Kreide Formeln draufzuschreiben, die sie dann wieder löschen, sobald die Tafel voll ist, um dieses Ritual nach der Pause in der Nachbarklasse zu wiederholen?

Die Digitalisierung wird auch vor unseren Schulen nicht Halt machen. Denken wir an Wikipedia, das Sterbehilfe für den guten alten Brockhaus geleistet hat, der in der Realität schon jahrzehntelang in Bibliotheken verstaubte. Dafür hat Wikipedia bei aller Kritik mehr zur Demokratisierung des Wissens auf der Welt beigetragen als viele milliardenteure Regierungsinitiativen zur Bildung. Schulen, die sich wie in der Vergangenheit primär auf sture Wissensvermittlung konzentrieren, wird es so ergehen wie dem Brockhaus.

Wo, wenn nicht in der Schule, soll Schülern eine breite Medienkompetenz vermittelt werden, die Voraussetzung dafür ist, um sich in der digitalen Welt selbstverantwortlich und risikobewusst bewegen zu können? Kindern und Jugendlichen digitale Geräte zu geben und sie damit allein zu lassen ist gefährlich. Sie total zu verbieten ist, wie wir eingangs gesehen haben, nicht realistisch.

Daher sollen die Chancen und die Gefahren von Social Media von kompetenten Lehrern aus unterschiedlichen Perspektiven aufgezeigt werden. Schüler sollten früh den kritischen, reflektierten Umgang mit Inhalten im Web lernen, zum Beispiel wie Informationen überprüft werden können, oder die Auswirkungen von Postings und Chats sowie von Algorithmen und Chatbots einzuschätzen.

Untersuchungen zeigen, dass ohne Begleitung das Smartphone für niedrige soziale Schichten negative Wirkungen hat, für höhere soziale Schichten positive. Die Schere geht also auseinander, wenn wir uns in der Schule nicht mit Kindern und ihren digitalen Geräten aktiv auseinandersetzen.

Um nicht missverstanden zu werden: Gute Lehrer wissen, dass sie unersetzbar sind.

Sie könnten sich aber von der Notwendigkeit langer Frontalvorträge befreien und ihre Rolle neu definieren. Das Verteilen von Gratis-Tablets ohne pädagogisches Konzept ist bei Politikern zwar populär – aber sinnlos und teuer. Erst durch die konsequente Verknüpfung der drei Faktoren „pädagogische Konzepte“, „Kompetenzen der Lehrenden“ sowie „funktionierende und benutzerfreundliche Technologie“ können die Potenziale der Digitalisierung für das Schulwesen genutzt werden. Digitalisierung in diesem Verständnis versteht sich als Veränderungstreiber für neues Lernen und nie als Selbstzweck. Zu viele digitale Medien werden genauso schnell langweilig wie der ausschließliche Einsatz der Tafel.

Österreich liegt bei der Nutzung der digitalen Möglichkeiten im Bildungssystem im Vergleich mit den skandinavischen Ländern oder mit Singapur deutlich zurück. Immerhin hat das Bildungsministerium einen ambitionierten „Masterplan Digitalisierung in der Bildung“ erarbeitet, der aufgrund des Ibiza- Videos nicht mehr umgesetzt werden konnte.

Das ist die dringliche Aufgabe der nächsten Regierung. Das würde allerdings eine völlige Neuorientierung der Lehrerausbildung, ein massives Investment in die innere Schulentwicklung und vor allem den Mut, die Tabus in unserem Schulsystem anzugreifen, bedeuten. Mit dem Wunschdenken „Wasch mir den Pelz, aber mache mich nicht nass“ wird die Digitalisierung genauso am ausgeprägten Immunsystem unseres Schulsystems gegen jede Veränderung scheitern wie alle bisherigen gut gemeinten Reformversuche. Das können wir uns aber nicht leisten.

Tafel und Kreide, veraltetes Schulwissen, das in Frontalvorträgen vermittelt wird, sind keine gute Vorbereitung auf eine Welt, in der Kreativität, emotionale Kompetenzen und Problemlösungsfähigkeit gefordert sein werden. Die Zukunft Österreichs liegt in unseren Klassenzimmern und nicht in einer Villa auf Ibiza.

 

Zur Person:

Dr. Andreas Salcher (http://www.andreassalcher.com/) ist Unternehmensberater, Bestsellerautor und ein kritischer Vordenker in Bildungsthemen. Er begann seine Karriere 1987 in der Politik als damals jüngstes Mitglied des Wiener Landtags, dem er insgesamt 12 Jahre angehörte. Andreas Salcher ist Mitbegründer der „Sir Karl Popper Schule“ für besonders begabte Kinder. 2004 initiierte er die „Waldzell Meetings“ im Stift Melk, an denen sieben Nobelpreisträger und der Dalai Lama teilgenommen haben. Seit 2008 engagiert sich Andreas Salcher mit seinem „CURRICULUM PROJECT” für bessere Schulen.