Mehr Amerika nach Österreich

MEHR AMERIKA NACH ÖSTERREICH

Auszüge aus einem Interview mit Dr. Mario Herger in der Plattform HELDEN VON HEUTE  https://helden-von-heute.at/mario-herger/

Foto: Mario Herger

Der gebürtige Wiener Mario Herger lebt seit 2001 im Silicon Valley in Kalifornien (USA). Dort hat der technische Chemiker zuerst einen Teil seiner österreichischen Mentalität abgelegt – um jetzt dafür zu kämpfen, die amerikanische nach Österreich zu bringen und die Österreicher selbstbewusster und kreativer zu machen.

Du hast 2012 ein StartUp-Center gegründet?

Ja. Mit anderen Österreichern haben wir das Austrian Innovation Center Silicon Valley gegründet. Wir verbinden dabei Startups und Unternehmen aus Österreich mit dem Silicon Valley. Wir veranstalten kleine Konferenzen und Workshops im Silicon Valley mit Vortragenden aus verschiedenen Bereichen, von Startups, grösseren Unternehmen, Venture Kapitalisten, oder Universitäten. Im Mai 2014 brachten wir Sprecher aus dem Silicon Valley, Israel, und sogar Singapore nach Wien um vor Ort ein bisschen den Spirit zu zeigen. 

Mittlerweile haben wir den Namen auf Innovation Center Europe geändert, weil wir sehr viel Interesse von anderen Ländern gesehen haben.

Woher bekommst du die Kontakte?

Ich rede mit Firmen, mit Regierungsstellen. Ich bin mehrmals im Jahr in Österreich, um Kontakte zu pflegen – man kennt uns mittlerweile. Ich verbinde Leute, vernetze mich, schreibe viele Mails. Nach diesem Interview zum Beispiel gehe ich nach Stanford und treffe einen österreichischen Doktoranden im Robotics Lab, am Abend bin ich bei Startups im französischen TechHub in San Francisco.

Ich will das offene Denken in Österreich stärker verankern.

Was willst du damit bezwecken?

Ich war bis zu meinem 28. Lebensjahr in Wien. Ich komme aus einer typischen Arbeiterfamilie. Ich bin im 7. Bezirk ins Gymnasium gegangen, nach der Matura an die TU Wien, habe dort in 4 Jahren mein Studium der technischen Chemie abgeschlossen und dann Doktorat gemacht. Den typischen österreichischen Werdegang.

Mittlerweile bin ich im Silicon Valley, habe in mehreren Ländern gelebt, habe viele Kulturen näher kennengelernt. Ich war beruflich immer in internationalen Teams. Von 10 Leuten haben 9 Personen einen anderen kulturellen Hintergrund gehabt und insgesamt wurden 15 Sprachen gesprochen. Das erfordert ein anderes Denken. Dieses offene Denken will ich auch in Österreich noch stärker verankern helfen.

Wie kommt man als technischer Chemiker in den Softwarebereich?

Ich habe schon als Kind auf dem Commodore64 programmiert. Daher rührt mein Interesse für Software. Und die technische Seite kam von meinem Studium. Also begann ich bei einer IT-Firma in Heidelberg. Ich habe es dort durchgebracht, dass wir unser Team nach Palo Alto (im Silicon Valley in Kalifornien, Anm.) erweitern. Das war eine recht turbulente und spannende Zeit.

Wie waren deine ersten Eindrücke von Amerika?

Ich bin zwei Wochen nach dem 11. September 2001 (Anschläge World Trade Center, Anm.) hingeflogen. Es gab plötzlich mehr Sicherheitschecks, und die waren chaotisch. Es hat in den USA nichts mehr so funktioniert, wie vor den Anschlägen.

Das lustigste Erlebnis war 2001 im November, in San Antonio in Texas: Ich hatte noch keinen kalifornischen Führerschein, das dauerte mit Backgroundchecks etwas länger. Also habe ich bei der Sicherheitskontrolle für einen Inlandsflug meinen österreichischen Reisepass vorgezeigt. Da sagt der Security-Mitarbeiter auf Deutsch, mit Frankfurter Akzent zu mir: “Sie sind der erste Österreicher hier.” Er war vom deutschen Bundesgrenzschutz. Die USA haben befreundete Staaten gebeten, Beamte abzustellen, um ihnen zu helfen, das Security System neu aufzubauen. Da stand ich also in Texas und wurde von einem Beamten des Bundesgrenzschutz aus Frankfurt kontrolliert (lacht).

Gemeinsam fremd in der fremden Welt.

Worin liegt der größte Unterschied zwischen Österreich und dem Silicon Valley?

Eine spannende Frage. Genau damit habe ich mich 2007 in meinem Kabarett-Programm gewidmet.

Warte kurz: Du hast auch noch Kabarett gemacht?

Ja, das Programm hieß “Nix wie Herger in Amerika” und ich sprach über den Vergleich Österreich und Amerika. Der Österreicher – oder Europäer – hat eine gewisse Grundskepsis. Die erste Reaktion ist immer zurückhaltend. Eine neue Idee wird als bedrohlich wahrgenommen. Man investiert also Energie, um vorrangig mal die Fehler zu finden.

In den USA wurde für mich plötzlich alles möglich.

Ich fasse zusammen: Technischer Chemiker, Softwarespezialist, Autor – wieso auch noch Kabarett?

Weil es mich interessiert hat. In Österreich hätte ich mich das nie getraut, da heißt es: Man muss für so etwas geboren sein.

In den USA lautet die Devise: Du kannst alles lernen! Also habe ich mich mit dem Thema Humor beschäftigt, mir Bücher gekauft, bin einem Speaking-Club beigetreten und habe geübt. Ich habe gelernt, wie man eine Rede hält, wie man eine Konferenz moderiert, wie man improvisiert. Es gab einen Humorous-Contest – nichts anderes als Kabarett. In den USA wurde für mich plötzlich alles möglich.

Aber gewisse Dinge kann man doch nicht einfach so lernen. Ich zum Beispiel – ich kann nicht zeichnen. Habe es oft probiert, aber ich habe kein Talent dafür.

Da muss man differenzieren: Talent oder Skill. Talent ist in gewisser Weise etwas Angeborenes. Aber auch hier sagen die Amerikaner: Du kannst das! In den USA spielen die Menschen mit Ideen. Überleg dir mal: Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass ein Dienst erfolgreich sein könnte, mit dem man 140-Zeichen-Messages posten kann? (Twitter, Anm.) Oder, dass ein Glasbläser aus Texas das Zahlungssystem revolutionieren kann? (Square, Anm.) Man stelle sich vor, ein Glasbläser aus Tirol würde das Bankenwesen in Österreich ändern wollen. Auf die Reaktionen wäre ich gespannt. In Amerika kann jeder, der den Willen und die Ausdauer hat, etwas schaffen. Und das ist meine Aufgabe: Wie können wir diesen Spirit nach Österreich bringen?

Ja, wie denn?

Ein Beispiel: Ich bin prinzipiell mit jedem per Du – ich gebe bewusst nichts auf Titel. Auch nicht auf meinen. Es ist egal, was du in der Vergangenheit geleistet hast, das Jetzt zählt. Man muss Respekt vor allen Menschen haben. Und man braucht Flexibilität. Die Infrastruktur unterstützt mich dabei. Wenn ich rund um die Uhr einkaufen kann, muss ich mich nicht in ein enges Korsett von vorgegebenen Bürostunden zwängen. In Amerika kann ich auch am Sonntag einkaufen.

In Österreich sieht man Dinge viel zu oft aus der alten Denkweise. Wir denken, dass das was wir kennen, das Richtige ist. Und das sage ich, als jemand der in einer sozialistischen Familie aufgewachsen ist. Ich verstehe beide Seiten.

Also braucht es dringend andere Strukturen, kein 9-to-5?

Es braucht Arbeitszeiten, die Freiraum lassen. Zum Beispiel sollte man auch in der Nacht arbeiten können, um unter Tags zu studieren. Es gibt viele Jobs in der immer größer werdenden Kreativindustrie – in dieser Branche kann man nicht nur von 9 Uhr bis 17 Uhr arbeiten.

Man kann Kreativität nicht per Gesetz verordnen.

Menschen sind zu unterschiedlichen Zeiten kreativ und produktiv. E-Mails nach 18 Uhr sperren, was soll das? Wie soll man in einem globalen Unternehmen kommunizieren? Ich mag zwar um 6 Uhr Früh in einer Telefonkonferenz mit Europa sein, dafür bin ich um 10 Uhr am Vormittag im Kaffeehaus und lese Zeitungen oder mache Besorgungen. Was letztendlich zählt, ist das Ergebnis – nicht ob mein Körper in einem bestimmten Zeitraum an einem Arbeitsplatz vorzufinden war.

Was schlägst du vor?

Wir müssen gegenüber anderen Modellen toleranter werden. So hat ein Professor (Richard Florida) entdeckt, dass innovative Regionen zugleich große Homosexuellen-Communities haben. Nicht etwa, weil Homosexuelle per se kreativer wären, sondern weil in solchen Gesellschaften mehr Toleranz für Leute mit anderen Lebensstilen, kulturellen Hintergründen und damit auch Ideen vorherrscht.

Erst das Aufeinanderprallen verschiedener Ideen führt zu Innovation.

Also müssen wir lösungsorientierter denken?

Nein! Es wird viel zu schnell in Lösungen gedacht. Dabei wissen wir oft nicht einmal, ob wir das richtige Problem lösen. Beispiel: Du gehst zum Arzt, weil du einen Ausschlag hast. Du wirst eine Creme bekommen. Damit geht der Ausschlag weg – aber nicht das Problem, warum du einen Ausschlag bekommen hast. Man müsste fragen: woher kommt der Ausschlag, warum bekommst du einen Ausschlag? Dann sieht man, dass das Problem ein anderes ist – und es eine andere Lösung braucht.

In Europa werden die negativen Seiten Amerikas oft breit getreten. Warum?

Weil es einfacher ist, sich an den negativen Dingen aufzuhängen. Es heißt ja immer, die Leute in den USA seien zu oberflächlich. Ich muss sagen: Mir ist oberflächliche Freundlichkeit lieber, als ehrlich gemeinter Grant.

Wie gehst du mit Negativität um?

Mit negativer Kritik killt man Kreativität, deswegen bin ich da sehr vorsichtig. Wenn, dann möchte ich das “Ja, und” hören, nicht das “Ja, aber”.

Die meisten Kritiker wollen nur schlau wirken. Zu enthusiastisch oder positiv sein, gilt als naiv.

Kritisieren hingegen soll zeigen, dass man sich damit beschäftigt und die kritischen Punkte entdeckt hat. Man will smart sein. Das ist häufig der Grund vieler Zwischenrufe bei Vorträgen. Eine Kritik ist angebracht, wenn man neue Ideen mitliefert. Plumpes Kritisieren bringt nichts. Das empfinde ich als unehrliche Diskussion. Letztendlich gilt für mich: am Ende meines Lebens will ich zurückschauen können und stolz sein. Ich will stolz sein auf das, was ich bewirkt habe, nicht auf das was ich verhindert habe.

In Österreich und Deutschland spart man nicht gerade mit Kritik.

Das ist das Problem. In den USA machen sie facebook – in Österreich verklagen sie facebook.

So sehr man das Thema Datenschutz auch ernst nehmen muss. Aber ich kenne das. Ich war in Österreich ganz anders. Ich habe in den USA einen totalen Wandel durchgemacht, deswegen verstehe ich das. Deshalb versuche ich, dieses Denken nach Österreich zu bringen, zu zeigen: Schau, es gibt so viel Potenzial! Warum trauen wir uns nicht zu, etwas Großes zu machen? In Österreich gibt es genügend Talente, es gibt Wissen und eine super Ausbildung. Den Leuten muss klar werden, dass jeder Einzelne etwas beitragen kann. Und man darf sich trauen und die anderen dürfen durchaus helfen und sei es mit Feedback.

Wie definierst du Helden und siehst du dich als Held?

Ich sehe mich nicht als Held. Klar, in den USA ist man solche tragenden Begriffe gewohnt. Das Selbstverkaufen ist hier wichtig. Aber es gibt so viele unterschiedliche, tolle Menschen. Da gibt es StartUp-Gründer, die können nicht alleine existieren, also brauchen sie Leute, die sie supporten. Dann gibt es Menschen, die vernetzen, über tolle Ideen sprechen und andere auf diese Ideen aufmerksam machen. Dann gibt es jene, die Leute ausbilden und lehren. Jeder hat seine Rolle und die ist nie fix. Wir springen alle hin und her. Auch ein Steve Jobs konnte nicht alleine im Vakuum operieren. Deshalb ist jeder wichtig.

Hast du einen abschließenden Tipp parat?

Versuche, deine Person als StartUp zu sehen und versuche einen Satz zu finden, der dich treffend beschreibt. Mach einen Pitch über dich.

Mein Satz: I help people to make work more fun.

 

Mehr über Mario Herger:

http://www.enterprisegarage.io/

https://dassiliconvalleymindset.com/

 

Dr. Mario Herger kommt im Juni 2020 ins Römerland Carnuntum:

https://www.clubofrome-carnuntum.at/event/5-zukunftsrat/

Städte – und Dörfer – der Zukunft

Städte – und Dörfer – der Zukunft

Der Klimawandel macht ein Umdenken beim Planen und Bauen notwendig. In diesem Beitrag aus der ZDF-Serie „planet e“ geht es darum, wie wir die Lebensqualität in unseren Städten, aber auch in Dörfern, durch zukunftsorientiertes Planen und Bauen erhöhen können:

https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-planen-bauen-leben—die-staedte-der-zukunft-100.html

„Dem Klimawandel sei Dank: Er zwingt uns offenbar zum Umdenken. Denn so wie in diesem Film beschrieben zu planen und zu bauen ist sowieso g´scheit. Auch ohne Klimawandel…“
(Hans Rupp, Club of Rome Carnuntum)

Hier alle „planet e“-Dokumentationen im Überblick: https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e

Die Energiewende ist längst eingeläutet

Die Energiewende ist längst eingeläutet

In der Industrie finden Technikwandel, Effizienzsteigerung und intelligentere Produktionssteuerung vielfach bereits statt. „planet e.“ zeigt beispielhaft, welche Klimaschutz-Konzepte derzeit schon in deutschen Industriekonzernen und Wirtschaftsunternehmen umgesetzt werden. Mit einem hoch interessanten Interview mit dem Vorsitzenden des Vorstands der VERBUND AG, Wolfgang Anzengruber:

https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-energiewende-20–der-klimaschutz-der-konzerne-100.html

Ebenfalls im Video zu sehen die Generalsekretärin des wissenschaftlichen Beirats der deutschen Bundesregierung in globalen Umweltfragen und Mitglied des Club of Rome, Prof. Dr.in Maja Göpel:

https://www.wbgu.de/de/der-wbgu/geschaeftsstelle/prof-dr-maja-goepel

Kernaussage des Beitrages:
Die Wende gelingt nur gemeinsam! Europas Wirtschaft, Politik und Gesellschaft können die Wende zur Nachhaltigkeit miteinander so gestalten, dass sie zu einem „Gewinn“ für alle wird. Dieses Miteinander leitet uns nicht nur im Forschungsprojekt Römerland Carnuntum 2040, sondern insgesamt im Club of Rome Carnuntum.

Autonom & vernetzt: Mobilität auf den Punkt gebracht

Die Zukunft ist näher als wir denken:

Autonom & vernetzt: Mobilität auf den Punkt gebracht

Bricht die Mobilitätsrevolution nun an? Zumindest klingt die Mobilität der Zukunft für Nutzerinnen und Nutzer ziemlich verlockend: Schneller, günstiger, komfortabler und umweltfreundlicher von A nach B kommen. Mobility as a Service (MaaS) heißt die Zauberformel, die künftig für ein solches Fort- und Ankommen verantwortlich sein soll.

MaaS kann man getrost als weiteren skandinavischen Exportschlager im Verkehrsbereich betrachten. Ein eigenes Auto? Nicht mehr nötig. Idealerweise genügte eine einzige App, die von Leihfahrzeugen über den öffentlichen Nahverkehr bis hin zu Mitfahrdienst, vom Zug, Flugzeug bis zum Robo-Taxi alle Angebote nahtlos miteinander verknüpft.

Autonomes Fahren und Rundum-Mobilitäts-lösungen stehen vor dem Durchbruch, digitale Anbieter, von etablierten Dienstleistern bis zu kleinen Tech-Start-ups stellen nach einigen Jahren des Experimentierens nun die Weichen dafür. Für die Umsetzung unverzichtbar: Die öffentliche Hand, Infrastruktur- und Verkehrsbetreiber, Industrie und natürlich die Forschung.

So nimmt beim Thema MaaS auch das Bundesministerium für Verkehr, Technologie und Innovation (BMVIT) eine zentrale, betreiberübergreifende Rolle ein. Über die bei der Austria Tech angesiedelten Plattform ITS Austria arbeitet das Ministerium am notwendigen Rahmen zur Umsetzung einer umfassenden Vernetzung im Verkehrsbereich. Berücksichtigt werden dabei alle nationale Strategien, eine Arbeitsgruppen hat den Status-quo sowie Handlungsempfehlungen für eine Umsetzung von MaaS made in Austria (MaaS miA) erarbeitet.

Ergebnisse davon wurden jüngst im Rahmen einer Konferenz im BMVIT präsentiert. „Mit diesem Konzept wird das Thema erstmals österreichweit und gesamthaft betrachtet. Es ist uns wichtig, einen Gestaltungspfad vorzuschlagen, der sowohl die öffentliche Hand als auch Anbieter von Mobilitäts-services unterstützt und einen Rahmen zur Umsetzung bietet“, erklärt Franz Schwammenhöfer, Leiter der Abteilung Gesamtverkehr im BMVIT und Leiter der Arbeitsgruppe MaaS miA.

Mit MaaS zur Mobilitätsgarantie

Rund 160 Experten tauschten sich einen Tag lang zu aktuellen Entwicklungen im Bereich intelligenter, kooperativer Verkehrssysteme aus. Wie kann MaaS gemeinsam weiterentwickelt werden, was braucht es zur Bündelung von Carsharing-, Fahr-, Park-und Ladedienste?

Lexikon: Das MaaS-Konzept stammt aus Finnland, wo es bereits eine Schlüsselrolle in der nationalen Verkehrspolitik spielt. MaaS soll den Transport mit eigenen Fahrzeugen durch ein auf den Kundenbedarf abgestimmtes Angebot verschiedener Mobilitätsdienste ersetzen. Mobilitätsdienste können verschiedenen Anbietern bereitgestellt werden und sollen als ein kombinierter, multimodaler Service angeboten und abgerechnet werden.

„Unser Ziel ist es, dafür ein Mobilitätsgütesiegel zu schaffen. Die Verkehrsteilnehmer sollen ein umfangreiches, diskriminierungsfreies Mobilitätsangebot erhalten, auf das sie sich immer verlassen können. Dazu ist es nötig, Prozesse zu definieren, wie die Qualität der Daten und Dienste zu überprüfen und zu monitoren ist.“, sagt Schwammenhöfer. Das Konzept enthält daher 13 Handlungsempfehlungen für Zugangsregelungen für MaaS-Anbieter.

Dabei werden sowohl rechtliche und organisatorische Aspekte aufgegriffen, als auch technische Aspekte für das Schaffen von einheitlichen Schnittstellen und welche Zugangsregeln zu Daten und Diensten zu definieren sind. Ziel ist es, ein MaaS-System zu etablieren, das ein sicheres, effizientes und leistbares Mobilitätsangebot auch in peripheren Gebieten garantiert und sich alle Angebote auf demselben Qualitätslevel befinden.

Zugang zu Mobilitätsangeboten neu gestalten

Unter Mobilität als Service versteht man eine nutzerorientierte, intermodale Dienstleistung, die bestehende Angebote von verschiedenen Mobilitätsanbietern in nur einem Service vereint. Über diesen einen Service können im Idealfall sämtliche Reiseinformationen angeboten sowie Buchung, Reservierung und Bezahlung in Einem abgewickelt werden. In Österreich wurden dazu schon verschiedene Vorarbeiten geleistet, etwa die Gründung der Verkehrsauskunft Österreich oder die Implementierung einer Graphenintegrationsplattform.

Bisher bestand allerdings kein einheitlicher Ansatz zum Ausrollen von MaaS in Österreich und auch die Zielsetzungen der einzelnen Mobilitätsbetreiber unterschieden sich oftmals. Ziel der Arbeitsgruppe MaaS miA war es nun, ein österreichisches Bild zur Umsetzung von Mobilität als Service zu erarbeiten. In der Arbeitsgruppe vertreten sind unter der Leitung des BMVIT neben der AustriaTech auch österreichische Mobilitätsanbieter von der ÖBB über ASFINAG bis zu den Verkehrsverbünden der Länder.

„Wichtig war das gemeinsame Bekenntnis aller Beteiligten und eine technologieunabhängige Betrachtung, um einen allgemein gültigen Rahmen schaffen zu können.“, betont Martin Böhm, Businessunit-Leiter bei der AustriaTech. Definiert wird der Rahmen anhand der MaaS miA-Readiness-Levels. Von Level 0 bis Level 3 werden die unterschiedlichen Integrationsstufen, die Rolle der öffentlichen Hand und die rechtlichen und technologischen Rahmenbedingungen aufgeführt. Damit soll sichergestellt werden, dass die Entwicklung von MaaS-Systemen schrittweise und aufbauend erfolgen kann. Die MaaS miA-Readiness-Levels ermöglichen somit auch eine Selbsteinstufung für einzelne Mobilitätsanbieter, um ihre individuell entwickelten Services problemlos unter den definierten Bedingungen in ein MaaS-System zu integrieren.

Der Vorteil ist, dass die Services damit besser mit anderen Angeboten verknüpfbar sind und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Verkehrsteilnehmer optimal unterstützt werden können – und das nicht nur im urbanen Raum mit ohnehin gutem öffentlichen Verkehrsangebot, sondern auch in ländlichen Gegenden.

Zum ersten Mal wurden auf der ITS Austria auch die beiden neuen Leitprojekte Ultimob und Domino aus der BMVIT-Ausschreibung Mobilität der Zukunft – Personenmobilität vorgestellt. Beide Förderprojekte beschäftigen sich mit integrierten Mobilitätslösungen und werden diese in verschiedenen Pilot-Regionen in Österreich auch testen.

Ein weiterer Schwerpunkt, der seitens der ITS Austria bereits 2018 gestartet wurde, ist das Ausrollen von C-ITS. Hierzu präsentierte die ASFINAG auf der Konferenz nochmals ihre aktuellen Maßnahmen, wie C-ITS am hochrangigen Straßennetz mit 2020 ausgerollt werden soll. Damit die Infrastruktur und moderne Fahrzeuge künftig schnell und sicher miteinander kommunizieren können, werden Autobahnen und Schnellstraßen bis 2023 mit einem speziellen WLAN für die Fahrzeugkommunikation ausgerüstet.

Dazu werden bis zu 500 WLAN-Boxen in ganz Österreich installiert, die künftig wichtige Informationen aussenden und von WLAN-tauglichen Fahrzeugen auch empfangen werden können. So können von der ASFINAG vorzeitig Informationen zum Beispiel über Fahrstreifensperren, Baustellen, Tempolimits, Pannen oder Unfälle entlang der Strecke direkt ins Fahrzeug gesendet werden. Die Informationen werden von der ASFINAG durch die digitale Übertragung zum Fahrzeug in die jeweilige Herkunfts-Sprache übersetzt.

Wissensaustausch zum Automatisierten Fahren

Und das Automatisierte Fahren? Eine Studie offenbarte heuer, dass mehr als die Hälfte der Befragten in Österreich dieser Technologie gegenüber positiv eingestellt. Erste Technologien und Anwendungen sind auf diesem Feld bereits heute vorhanden. Neben privaten und öffentlichen Akteuren, die die Zukunft der Mobilität vorbereiten, wird demnach auch von großen Teilen der Bevölkerung in automatisierten Mobilitätslösungen viel Potential gesehen.

Vielfältige Projekte im Bereich selbstfahrender Fahrzeuge, Züge oder Drohnen werden durch das BMVIT gefördert. Dabei gilt es, automatisierte Technologien und Mobilitätsangebote so zu nutzen, dass die kommende Transformation in Richtung eines serviceorientierten und klimafreundlichen Mobilitätssystems sinnvoll unterstützt wird.

„Automatisierte Mobilität ist ein Teil der Mobilität der Zukunft“, so Michael Nikowitz, Koordinator für Automatisiertes Fahren im BMVIT. Gemeinsam mit der Elektrifizierung, der gemeinsamen Nutzung und der Vernetzung stellt sie so eine der wichtigen Säulen auf diesem Gebiet. Seit 2016 beschäftigt sich das BMVIT intensiv mit dieser Thematik. Der unglaublich rasche Technologiefortschritt bedarf hierbei ebenso schneller Reaktionen auch von Seiten der öffentlichen Hand. „Es ist ganz essentiell, dass wir uns mit der Thematik möglichst breit und interdisziplinär beschäftigen, um sicherzustellen, dass wir als Ministerium die richtigen Fragestellungen und Themen adressieren“, so Nikowitz weiter.

Die Austria Tech ist die Kontaktstelle zum Automatisierten Fahren des BMVIT. Gemeinsam hat man das Forum Automatisierte Mobilität ins Leben gerufen, einem jährlichen Symposium, welches heuer am 2. Oktober unter dem Motto CASE – ein automatisierter Fall für alle Fälle verschiedene Bereiche aufgriff, um die Entwicklung automatisierter Mobilität bestmöglich zu begleiten.

Das Forum ist Teil des Aktionspakets Automatisierte Mobilität und dient als wichtige Dialogveranstaltung, um von allen Akteuren von der Industrie, über Verwaltung und Wissenschaft bis zu Start-ups sowohl den neuesten Stand zu bekommen als auch kritisches Hinterfragen der Entwicklungen zu ermöglichen, wie Nikowitz betont.

Für ihn ist ein transparenter und objektiver Wissensaustausch unumgänglich, damit im Falle der Automatisierung nicht vergeblich an der Entwicklung von Lösungen gearbeitet und erst im Nachhinein erkannt wird, dass Best-Practice-Beispiele bereits verfügbar gewesen wären.

Neue automatisierte Mobilitäts-Services gelten als eine der Tech-Revolutionen im 21. Jahrhundert, die neben anderen Zweigen fortschreitender Digitalisierung von großem Einfluß auf unseren Alltag sein wird. Entwicklungen auf dem Gebiet der automatisierten Mobilität – seien es Assistenzsysteme in privaten Pkw, sogenannte Robo-Taxis oder fahrerlose öffentliche Verkehrsmittel werden unsere Mobilität und die Möglichkeiten des [Vor]Ankommens in Städten und auch im ländlichen Raum stark verändern.

Automatisiertes Fahren kann für mehr Verkehrssicherheit sorgen und ist zugleich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Schon jetzt sind österreichische Autozulieferbetriebe in vielen Bereichen des automatisierten Fahrens international gefragt. Das neue Aktionspaket Automatisierte Mobilität für den Zeitraum 2019-2022 setzt den Fokus auf Straße, Schiene und Luftfahrt (Drohnen). 65 Millionen Euro an Förderbudget stehen zur Umsetzung von 34 Maßnahmen im Bereich Technologieförderung, legislativer Anpassung, gesellschaftlicher Dialog, Einbindung der öffentlichen Hand und Aufbau der Kompetenz im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion bereit.

Quelle: https://infothek.bmvit.gv.at/maas-autonom-vernetzt-mobilitaet-punkt-its-austria/  (10-2019)

Klima-Umweltschutzmanifest der Marktgemeinde Lanzenkirchen

Klima-Umweltschutzmanifest der Marktgemeinde Lanzenkirchen

https://www.lanzenkirchen.gv.at/Klima-Umweltschutzmanifest_der_Marktgemeinde_Lanzenkirchen

 Vorausbemerkung: Der Club of Rome zeigte bereits 1972 die „Grenzen des Wachstums“ auf. Heute ist eines der zentralen Ziele des Club of Rome, wissenschaftliche Grundlagen für die globale Umsteuerung zur Nachhaltigkeit bereitzustellen. Diesen Wandel auf lokaler und regionaler Ebene zu begleiten, ist Grundanliegen des Club of Rome Carnuntum, der dafür vom Exekutivkomitee des Club of Rome als eigenständiger lokaler Chapter anerkannt wurde – weltweit ein Novum. Wir veröffentlichen daher in unregelmäßigen Abständen wissenschaftliche Ausführungen ebenso wie praktische Beispiele, wie dieses. 

Hans Rupp, Club of Rome Carnuntum 

Der Klimawandel betrifft uns alle. Dafür verantwortlich sind in erster Linie aber jene Nationen mit hohem Schadstoffausstoß und überbordender Umweltverschmutzung. Zum Vergleich: Die Golfstaaten stoßen pro Kopf sechs Mal so viele, die USA zweieinhalb Mal so viele Schadstoffe aus, wie Österreich. Während zum Beispiel in Niederösterreich 2019 das letzte Kohlekraftwerk geschlossen wird, haben die G20-Mitglieder ihre Subventionen für Kohlekraftwerke verdoppelt. In diesem Zusammenhang setzen wir hohe Erwartungen an das neu gewählte Europäische Parlament sowie die neue Europäische Kommission, um wirksame Maßnahmen für einen weltweiten Klima- und Umweltschutz durchzusetzen.

Niederösterreich nimmt eine Vorreiter- und Vorbildfunktion ein, wenn es um Klima- und Umweltschutz geht. Als erstes Bundesland hat NÖ bereits im Jahr 2007 den Klimaschutz in der Landesverfassung verankert. Wir waren das erste Bundesland mit einem Ölheizungsverbot in Neubauten. In den letzten 6 Jahren kam es zu keiner einzigen Überschreitung der Feinstaubgrenzwerte. 100 Prozent des Strombedarfs werden aus erneuerbaren Energien erzeugt – europaweit liegt dieser Anteil bei rund 33 Prozent. Und: ein Drittel Niederösterreichs ist Naturschutzfläche.

Für die Zukunft wurde ein ambitionierter Klima- und Energiefahrplan für Niederösterreich beschlossen. Die Eckpunkte: Der Treibhausgasausstoß soll bis 2030 erneut um 36 Prozent gesenkt werden, die Stromerzeugung durch Photovoltaik soll verzehnfacht, die Stromerzeugung durch Windkraft durch Modernisierungen verdoppelt werden. In diesem Zusammenhang sollen zu den bestehenden 40.000 Green-Jobs 10.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Niederösterreichs Städte und Gemeinden erfüllen eine wichtige Funktion und Vorbildfunktion wenn es um Klima- und Umweltschutz sowie die Umsetzung des Niederösterreichischen Klima- und Energiefahrplanes geht. Zum Beispiel sind rund 560 Gemeinden Teil der NÖ Umweltverbände, über 350 Gemeinden Teil des Klimabündnis-Netzwerkes, über 330 von Natur im Garten und über 210 sind ENERGIE-Vorbild Gemeinden.

Die Marktgemeinde Lanzenkirchen hat in den letzten Jahren bereits verstärkt Akzente zum Klimaschutz gesetzt:

  • Beitritt zum e5-Programm
  • Errichtung von mehreren PV-Anlagen
  • Bezug von 100% Ökostrom
  • e-Carsharing
  • Nahezu vollständige Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik
  • Umstellung der Wärmeversorgung von Gas auf Biomasse im Ortszentrum (in Umsetzung)

Zentrales Ziel der Marktgemeinde Lanzenkirchen ist es, eine noch stärkere Funktion und Vorbildfunktion im Bereich Klima- und Umweltschutz zu übernehmen. Größtmöglichen Erfolg erreichen wir insgesamt nur dann, wenn auch wir auf Gemeindeebene und so viele Bürgerinnen und Bürger wie möglich, so viele kleine Maßnahmen wie möglich setzen. Diesbezüglich sollen alle Bereiche durchleuchtet und Maßnahmen erarbeitet werden.

 

Der Gemeinderat hat auf Initiative von Bürgermeister Bernhard Karnthaler am 05.07.2019 folgenden Antrag beschlossen:

  1. Künftig wird bei allen Beschlüssen des Gemeindevorstands und Gemeinderats deren Klimarelevanz berücksichtigt und ausdrücklich angeführt.
  2. Maßnahmen mit positiver Auswirkung auf die Treibhausgasbilanz werden prioritär behandelt.
  3. Bei bestehenden und zukünftigen Vorhabensplanungen wird der Aspekt des Klima- und Umweltschutzes besonders berücksichtigt.
  4. Der Pflege von bestehenden öffentlichen Grünflächen und dem Erhalt des Baumbestandes wird besondere Aufmerksamkeit zu teil.
  5. Auf den Erhalt von offenen, nichtversiegelten Flächen wird geachtet.
  6. Bepflanzungsaktionen öffentlicher und privater Akteure sollen entsprechende Unterstützung finden.
  7. Die Gemeinde beschließt den Beitritt zu „Natur im Garten“ und setzt damit ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz.
  8. Die Gemeinde forciert das Engagement im e5-Programm. Das e5-Programm soll die Energie- und Klimaschutzpolitik in der Gemeinde modernisieren, Energie und damit Kosten sparen und erneuerbare Energieträger forcieren.
  9. Die Energieverbrauchsdaten der gemeindeeigenen Gebäude werden erfasst und auf Basis des jährlichen Energieberichts Einsparpotentiale ausgelotet.
  10. Die Gemeinde prüft den Umstieg von gemeindeeigenen fossilen Heizsystemen auf Erneuerbare Energieträger.
  11. Die Gemeinde unterstützt Bestrebungen e-Carsharing Projekte und e-Fahrtendienste umzusetzen um nachhaltige Mobilitätslösungen anzubieten.
  12. Die Gemeinde beschließt die schrittweise Umstellung der gemeindeeigenen Fahrzeuge auf e-Autos für den kommunalen Dienst.
  13. Der Ausbau bzw. die Optimierung von Gehsteigen und Radwegen wird geprüft.
  14. Verzicht auf Einwegplastik bei gemeindeeigenen Veranstaltungen und Teilnahme bei der Initiative „Sauberhafte Fest“ der NÖ Umweltverbände.
  15. Bei Veranstaltungen der Gemeinde sollen nur mehr regionale Produkte verwendet werden.
  16. Die gemeindeeigenen Kommunikationskanäle werden regelmäßig genutzt um die BürgerInnen zu aktuellen Entwicklungen im Klimaschutzbereich zu informieren.
  17. Bei Beschaffungen durch die Gemeinde wird verstärkter Fokus auf die Regionalität der Leistungserbringung und der geforderten Energie-Effizienz-Kriterien gelegt.
  18. Ein flächendeckendes Gesamtverkehrs- und Mobilitätskonzept soll für die Gemeinde entwickelt werden, das neben der Steigerung der Verkehrssicherheit auch klimarelevante Faktoren berücksichtigt.
  19. Die bestehenden Förderungen der Gemeinde sollen evaluiert werden und auf deren Klimatauglichkeit geprüft werden (z.B. E-Fahrzeuge, Stoffwindeln, Wassersparmaßnahmen, etc.).
  20. Die thermische Sanierung von öffentlichen Gebäuden soll geprüft werden. 

Lanzenkirchen, 05.07.2019

 

 

Was gutes Leben in Vorarlberg bedeutet

Ist Glück messbar?

Ein neuer Index soll das in Vorarlberg versuchen.

Eine neue Messgröße soll, abseits von wirtschaftlichem Erfolg, die tatsächliche Lebensqualität in Vorarlberg feststellen. Wie diese messbar ist, soll auch die Bevölkerung entscheiden.
„Als erstes Bundesland führt Vorarlberg einen Wohlstandsindikator ein“, freut sich der Grüne Klubobmann Adi Gross über den heutigen Beschluss des schwarz-grünen Antrages im Volkswirtschaftlichen Ausschuss mit den Stimmen der Grünen, ÖVP und SPÖ.
„Das herkömmliche Messinstrument BIP sagt nur wenig über das tatsächliche Wohlergehen einer Gesellschaft aus. Wirtschaftliches Wachstum bedeutet nicht immer mehr Einkommen oder Zufriedenheit für alle. Es braucht daher alternative, darüber hinausgehende Messgrößen“, so Gross.
Klare Vorgabe
Mit dem Wohlstandsindex muss sich die Politik nach klaren Vorgaben richten, die das Wohlergehen der hier lebenden Menschen fördern – wie etwa Gesundheit, Luftqualität, Wohnqualität oder sichere Einkommen. „All das wird beim BIP nicht gemessen. Die neue Messgröße wird eruieren, wie es um die Lebensqualität in Vorarlberg steht.“
Gross wundert sich auch, dass die FPÖ gegen den Antrag gestimmt hat. „Die FPÖ ist der Ansicht, dass es das nicht braucht. Einmal mehr zeigt sie damit, wie wenig sie sich um das tatsächliche Wohlergehen einer Gesellschaft sorgt“, so Gross.
30 Indikatoren
Nach dem Beschluss des Wohlstandsindikators im Landtag am 3. Oktober wird das Zukunftsbüro die Umsetzung koordinieren. Dabei werden auf Basis eines von der Statistik Austria entwickelten Sets von 30 Indikatoren in den Kategorien Wohlstand, Lebensqualität und Umwelt konkrete Messgrößen entwickelt.
„Das wird ein spannender Prozess, beim dem die Bevölkerung mit eingebunden wird. Gemeinsam werden wir darüber diskutieren, was Wohlstand bedeutet und daher vom Indikator berücksichtigt werden muss“, schließt Gross.
Multidimensionale Betrachtung des Wohlstandes in Vorarlberg

 

Die Jungen und die Älteren….

Zwei Themen, die mir wichtig sind

von Christine Schmied, Vorstandsmitglied des Club of Rome Carnuntum, Juni 2019

 

Ich denke, dass in unserer Gesellschaft zwei Altersgruppen bei den meisten politischen und gesamtgesellschaftlichen Überlegungen und Entscheidungen völlig unbedacht bleiben.
1. Wir müssen uns auf die kommenden und heranwachsenden Generationen (die Generation der künftigen Entscheidungsträger) viel mehr einlassen: Uns ihnen aktiv zuwenden, sie mehr fragen, sie mehr in den Dialog einbinden, ihnen eine eigene Persönlichkeit mit eigenen Meinungen zutrauen und zugestehen. Denn wenn wir in ihrem Sinne handeln wollen, müssen wir ihren Sinn überhaupt erst erkennen. Was macht sie, wohin will sie, was wünscht sie sich, wovor hat sie Angst, wo fühlen sie sich alleingelassen, wo fühlen sie sich übergangen.

Damit Kinder und Jugendliche herausfinden wer sie sind, was in ihnen steckt, und wohin sie wollen, müssen wie ihnen den dafür nötigen Raum, die Zeit und Mittel geben. Um Kinder dazu zu motivieren sich auszudrücken, dient vor allem die Kunst. Sei es durch Malerei, Musik, Tanz… sich mit sich selbst zu beschäftigen ist immer noch der Weg zum Erfolg. Wer sich selber kennt und ausdrücken kann, findet auch den individuell richtigen Bildungsweg. Die eigene Persönlichkeit heran-bilden sollten wir rasch mehr Bedeutung geben. Aus Individualität folgert Innovation und Initiative. Dies kann zu einem festen Fundament für eine interessante, vielseitige und facettenreiche Region werden.

Um dies zu erreichen müssen wir unseren Kindern aber auch wieder das Sprechen lernen. Das Sprechen zu und mit ihren Mitmenschen. Eine eigene Meinung zu kreieren und diese auch nach außen zu formulieren bringt Vielfalt. Nicht nur der Vielfalt wegen, sondern vor allem auch in Hinblick auf den Umgang und das Lösen diverser Herausforderungen im Alltag und in der Zukunft. Digitalisierung ist wichtig, großartig und leitungsstark. Dennoch müssen wir unsere Kinder schnell in das analoge Leben und Miteinander zurückführen. Das aktive Interagieren im real life ist wichtiger denn je. Technisch und künstlich errichtete Barrieren müssen fallen. Mehr soziale Verantwortlichkeit, mehr reales Miteinander, mehr Aufrichtigkeit und aktives Zuhören könnten das großartige und hochpotente Ergebnis sein.

2. Und nun zur älteren/alten Generation. Wann immer ich mit Menschen dieser Altersgruppe spreche, bekomme ich zu hören, dass sie sich nicht mehr gebraucht fühlen. Sie empfinden sich als Belastung für die jüngere Generation und sehen in ihrem Leben keinen Sinn mehr. Dies alles ist nur zu gut zu verstehen. Haben diese Menschen doch den Großteil ihres Lebens mit Arbeit im Brotjob, dem Erziehen ihrer Kinder und eventuell der Pflege ihrer eigenen Eltern verbracht. Wenn dies – und bei vielen betrifft dies zwei Drittel eines Tages – wegbricht, kann einem der Tag schon lang werden. Diese Zeit könnte eine Zeit zum Nachdenken sein, wird aber oft zu einer Zeit des Grübelns. Wird diese Zeit auch noch alleine, oder gar isoliert vom sozialen Umfeld verbracht, werden die Empfindungen zunehmend dunkler.

Diesen Menschen gegenüber stehen aber viele junge Menschen. Menschen die Geschichte(n) brauchen. Die Menschen brauchen, die Zeit für sie haben und sie sich auch nehmen. Während also viele Kinder und auch Heranwachsende aufgrund des Leistungsdrucks und Eifers ihrer Eltern immer mehr Zeit fremdbetreut oder alleine verbringen, gibt es viele alte Menschen die viel zu erzählen und an Liebe, Hinwendungen und Aufmerksamkeit zu geben hätten. Da kämen so Ideen (die eigentlich nicht neu sind) in den Sinn, wo Kindergärten und auch Schulen einmal wöchentlich Senioren(einrichtungen) besuchen. Kindern wäre so die Möglichkeit geboten, die wirkliche Geschichte unser (Ur)Großeltern zu erfahren, Werte einer alten Generation vermittelt zu bekommen, vielleicht sogar gemeinsam zu kochen und zu backen. Dies und noch vieles mehr zu tradieren wäre eine großartige Wertanlage in die Entwicklung unserer Kinder. Aber auch die ältere und alte Generation verspürte dadurch wieder das ersehnte Gefühl des Gebrauchtwerdens. Und dass das Vorlesen, Erzählen, gemeinsame Spielen das Aktiv- und Gesundbleiben im Allgemeinen den Menschen länger aufrecht hält, ist bekannt. Stellt sich nur die Frage worauf wir so lange warten…

Zukunftsrat

Der Zukunftsrat im Römerland Carnuntum

Nachhaltig erfolgreiche Regionalentwicklung braucht alle AkteurInnen der Region. Daher werden Bürgerbeteiligung und Zusammenarbeit von Politik und Zivilgesellschaft neu gedacht:
Die Regionalentwicklung Römerland Carnuntum hat mit dem Club of Rome Carnuntum eine weltweit einzigartige Initiative gestartet: In Zeiten der tiefgreifenden Veränderung unserer Gesellschaft (Stichworte: Klimawandel, digitale Transformation, Auswirkungen der Globalisierung auf die Region, langfristige Sicherung unserer Lebensqualität) braucht es neue Formen der Zusammenarbeit und der Regionalentwicklung. Diese sollen mit dem Club of Rome Carnuntum entwickelt werden.

Dieser spannende Prozess der Erneuerung soll MIT DEN MENSCHEN in der Region erfolgen. Dafür wird mit dem Zukunftsrat eine völlig neue Form der Beteiligung und der Zusammenarbeit ins Leben gerufen.

Sowohl die 29 Mitgliedsgemeinden als auch der Regionalentwicklungsverein Römerland Carnuntum entsenden Delegierte in den Zukunftsrat. Zusätzlich sollen in jeder Gemeinde Personen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und zur Mitarbeit eingeladen werden. Das Miteinander unterschiedlicher AkteurInnen bildet die Vielfalt von Erfahrungen, Bedürfnissen, Ideen  und Wissen in der Region ab und trägt dadurch entscheidend zu einer nachhaltigen Regionalentwicklung bei. Mehr dazu

Zukunft planen

Der Club of Rome Carnuntum befasst sich mit unserer  Zukunft. Wir lernen von den Besten – von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt ebenso wie von Unternehmern und Politikern. Denn bei allen Problemen, die die Zukunft bringt, interessieren uns in erster Linie die Möglichkeiten, die wir selbst beeinflussen können.    

Die Fragen, die den Club leiten, sind ganz einfach:

  • Wie wollen wir in 20 oder 30 Jahren leben?
  • Was brauchen wir in unserer Region, damit sie auch in Zukunft für uns und unsere Enkelkinder lebenswert ist?
  • Und: WELCHES LEBEN bezeichnen wir als LEBENSWERT?