Szenarien für eine nachhaltige Zukunft zwischen Wien und Bratislava (Marchfeld)

 Einführung

Der Universitätslehrgang ” Under pressure – Sustainable urban growth scenarios for a metropolitan corridor between Vienna and Bratislava”” zielte darauf ab, die soziale und ökologische Nachhaltigkeit der Stadtentwicklung in einem Gebietsauszug des Metropolraum Wiens zu thematisieren. In diesem Kurs entwickelten fünfzig internationale Studierende der TU Wien Raumplanung, Institute für Regionalplanung und Regionalentwicklung und des AMS Institute (Amsterdam Advanced Metropolitan Solutions), Programm MSc MADE insgesamt vierzig Szenarien für die Zukunft der urbanen Transformationszone entlang eines Eisenbahnkorridors im transnationalen Kontext (Strecke Wien-Bratislava über Marchegg). Die Studierenden wurden ermutigt, über den aktuellen Stand der räumlichen Entwicklung und gegeben Planungsinstrumentarien hinauszudenken um räumliche Bilder für die Zukunft des Gebiets zu entwickeln. Die Ergebnisse des Intensivworkshops, zwanzig ausgewählte Szenarien, zeigen eine frische und unkonventionelle Herangehensweise und die künftige räumliche Entwicklung auf. Unter Berücksichtigung von extremen Bedingungen zeigen die Projekte, welche Veränderungen dem Wandel zu einer nachhaltigen Lebensumfeld fördern könnte. Ziel ist es hierbei das „out of the box“ Denken zu fördern, gedankliche Grenzen aufgrund bestimmter Gegebenheiten zu überwinden um damit neue Denkprozesse und Lösungsansätze zu fördern.

Mit dem Ziel einen Beitrag zur Debatte der Bewältigung von zukünftigen Herausforderungen der Metropolregion zu leisten, werden die Ergebnisse der Workshop-Woche auf dieser Homepage vorgestellt.

 Gebiet

Auf lokaler Ebene konzentrieren sich die entwickelten Szenarien auf den Zugkorridor nördlich der Donau. Dieser Korridor durchquerte die transnationale Zone und verbindet die Städte Wien und Bratislava (über Marchegg). Im Jahr 2023 werden die laufenden Bauarbeiten für den Ausbau dieser Bahnstrecke abgeschlossen sein. Dies wird zu einer höheren Zugfrequenz und kürzeren Reisezeiten zwischen Wien und Bratislava führen. Die so genannte “Twin City Rail” wird schließlich zu einer besseren Anbindung und Erreichbarkeit der Gemeinden entlang des Korridors führen.

  Motivation

Ziel war es, eine Vielzahl von Zukunftsszenarien mit innovativen Lösungen zu entwickeln, um zur Debatte über die Entwicklung der Metropolregion beizutragen. Diese in den Szenarien berücksichtigen Herausforderungen beziehen sich auf das Bevölkerungswachstum im städtischen Kontext, Ökologie und Verlust der biologischen Vielfalt, Veränderung in der landwirtschaftlichen Produktion, Wirtschaft, Mobilität und der Flächenverbrauch.

Mit Hinblick auf die oben genannten Herausforderungen wird in den entwickelten Szenarien die folgende Forschungsfrage beantwortet:

Welche zukünftige räumliche Entwicklung des Raums entlang eines Eisenbahnkorridors im Metropolraum Wien Bratislava kann zur sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit der Region beitragen und Herausforderungen wie Bevölkerungswachstums, Infrastrukturentwicklung und Klimawandel bewältigen?

  Szenarien

Szenarien ermöglichen es, die zukünftigen Auswirkungen aktueller Trends unter der Berücksichtigung von extremen Bedingungen zu visualisieren. Verschiedene Typen dieser Methodik werden in unterschiedlichen Disziplinen eingesetzt und sind, unter anderem, ein wichtiges Instrument der niederländischen Planungspraxis. Das Instrument ermöglicht Urbanisten unterschiedliche Bilder zur räumlichen Organisation von physischen zu entwickeln. Die Methodik ermöglicht eine Vergleichbarkeit von unterschiedlichen Bildern anhand unterschiedlich definierter Parameter und unterstützt somit das über die Grenzen und Querdenken. Dies hilft bei Entscheidungsfindungsprozessen und kann daher positiv zur Diskussion über die räumliche Entwicklung, beitragen. In diesem Sinne haben wir in diesem Universitätskurs Szenarien als Tool für die Darstellung von möglichen, teils extremen Zukunftsbildern, unter Berücksichtigung von extremen Einflussfaktoren entwickelt.

Die Szenarien untersuchen, was möglich wäre, wenn wir radikal nachhaltig entwickeln und handeln würden, oder im Gegenteil, wie das Gebiet aussehen würde, wenn negative Trends die Zukunft des Gebietes prägen. Laut DATAR1 ist die in diesem Kurs verwendete Methodik des ausgewählten Szenarios eine Mischung aus Trendszenarien (Entwurf einer möglichen Zukunft anhand von vorhandener Trends) und Kontrastszenario (skizziert eine wünschenswerte Zukunft).

Im Rahmen des Kurses konzentrierten sich interdisziplinäre Gruppen von internationalen Studierenden auf die Entwicklung von designorientierten Entwicklungsszenarien. Jede Gruppe entwickelte vier gegensätzliche und auf zwei Einflussfaktoren basierende Szenarien, welche besondere Herausforderungen im Zielgebiet darstellen. In diesem Setting – und auf Basis des individuellen Interesses der Studierenden – wurde anhand von jeweils unterschiedlich gewählten Kernthemen vier Szenarien pro Gruppe entwickelt. Jedes der städtebaulichen Szenarien wurde auf mehreren Maßstäben entwickelt. Interviews mit Interessengruppen und lokalen AkteurInnen halfen Wünsche, Notwendigkeiten und Problemstellungen zu integrieren und als Basis für Akteurinnenstruktur und Projektphasengestaltung zu verwenden. Mitunter entwickelte radikal negative Szenarien dienen der Vergleichbarkeit mit positiv nachhaltiger Entwicklungszenarien und sind für das Aufzeigen von Negativtrends und deren Zukunftsauswirkungen förderlich.

Die nachfolgenden Szenarien Ergebnisse zeigen alternative und bis zu einem gewissen Grad radikal unterschiedliche Bilder für die zukünftig nachhaltige Entwicklung des urbanen Kontextes im Einzugsgebiet dar: https://underpressurevienna.wordpress.com/scenarios/

Text: Andrea Überbacher, Lehrbeauftragte und Kurskoordinator MSc MADE/AMS Institute Amsterdam, 2019.

Homepage Design: Noelle Teh, Studienassistentin am AMS Institute: https://underpressurevienna.wordpress.com/